Pflegegrade + Pflegereform ab 2017

Zum 01. Januar 2017 werden im Rahmen der Pflegestärkungsgesetze einige Neuerungen im Pflegesektor eintreten. Wir haben hier die wichtigsten Änderungen im Zuge dieser Pflegereform für Sie zusammengefasst. Update: 21.05.2017

Die Umstellung vorab: Von den Pflegestufen in die Pflegegrade

 

"Wer bereits Leistungen der Pflegeversicherung bezieht, wird per Gesetz automatisch in das neue System übergeleitet. Niemand muss einen neuen Antrag auf Begutachtung stellen. So wird für die Betroffenen unnötiger zusätzlicher Aufwand vermieden. Dabei gilt: Alle, die bereits Leistungen von der Pflegeversicherung erhalten, erhalten diese auch weiterhin mindestens in gleichem Umfang, die allermeisten erhalten sogar deutlich mehr."

 

UMWANDLUNGSTABELLE (PG = Pflegegrad):

  • Pflegestufe 0 = PG 1
  • Pflegestufe 1 = PG 2
  • Pflegestufe 1 + eingeschränkte Alltagskompetenz = PG 3
  • Pflegestufe 2 = PG 3
  • Pflegestufe 2 + eingeschränkte Alltagskompetenz = PG 4
  • Pflegestufe 3 = PG 4
  • Pflegestufe 3 + eingeschränkte Alltagskompetenz = PG 5
  • Härtefall = PG 5

Neues Begutachtungsassessment (NBA): "Wenn der MDK kommt"

 

Im Zuge der Pflegereform 2017 wird sich auch das Begutachtungsverfahren ändern. Während der Begutachtung ("Einstufung in einen Pflegegrad") wird nicht mehr der Grad der Hilfebedürftigkeit ausschlaggebend sein, sondern der Grad der individuellen Selbstständigkeit. Hierbei werden sechs Bereiche bewertet:

 

1. Mobilität

2. Kognitive + kommunikative Fähigkeiten

3. Verhaltensweisen + psychische Problemlagen

4. Selbstversorgung

5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen

6. Gestaltung des Alltagslebens + sozialer Kontakte.

 

Das bisherige Einschätzen und Bemessen nach Minuten entfällt. Dafür kommt dann ein Punktesystem zum Tragen:

 

Pflegegrad 1 ab 12,5 Punkten

Pflegegrad 2 ab 27 Punkten

Pflegegrad 3 ab 47,5 Punkten

Pflegegrad 4 ab 70 Punkten

Pflegegrad 5 ab 90 Punkten.

Hauptleistungsbeträge in den Pflegegraden in EUR (ab 01.01.2017)

 

  PG 1 PG 2 PG 3 PG 4 PG 5
Geldleistung (private Pflege) * 316 545 728 901
Sachleistung (Pflegedienst) *125 689 1298 1612 1995
Stationär (Pflegeheim) 125 770 1262 1775 2005

*PG 1: Geldbetrag, der für Erstattungen von Entlastungsleistungen zur Verfügung steht. Verwendung beim Pflegedienst möglich (Abtretung). Gilt auch für Körperpflege / Grundpflege bei Inanspruchnahme eines Pflegedienstes. Keine Pflegegeldzahlungen!

Zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen § 45 b SGB XI

 

Bisher wurde zwischen Grundbetrag (104,- EUR) und erhöhtem Betrag (208,- EUR) im Monat unterschieden. Diese Unterscheidung entfällt ab 2017 und jeder Pflegebedürftige erhält einen einheitlichen (Entlastungs-) Betrag in Höhe von 125,- EUR monatlich.

 

Das Neue hierbei: Die Verwendung der 125,- EUR gilt nun auch für sämtliche Sachleistungen des Pflegedienstes (außer für Körperpflege). Daneben bildet der Pflegegrad 1 eine Ausahme: Hier kann der Entlastungsbetrag auch für Körperpflege genutzt werden.

Neudefinition der Pflegesachleistungen

 

Die Pflegesachleistungen der ambulanten Pflegedienste werden ab 2017 nicht mehr in Grundpflege und hauswirtschaftliche Leistungen unterschieden, sondern in 3 Bereiche:

körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuungsmaßnahmen und Hilfen bei der Haushaltsführung.

Beratungsbesuche nach § 37.3 SGB XI + Pflegeberater § 7 a SGB XI

 

Mit Inkrafttreten der Pflegereform 2017 und die Umstellung auf die Pflegegrade, gibt es auch Veränderungen bei den Beratungsbesuchen / Pflegegutachten (§ 37.3) für alle, die Pflegegeld beziehen: Bei den Pflegegraden 2 und 3 müssen halbjährlich einmal + bei den Pflegegraden 4 und 5 vierteljährlich einmal Beratungseinsätze durchgeführt werden.

 

Pflegebedürftige des Pflegegrades 1 und Pflegebedürftige, die ambulante Pflegesachleistungen (Pflegedienst) erhalten, können den Beratungsbesuch freiwillig einmal halbjährlich abrufen.

 

Darüber hinaus rücken die Pflegeberater der Pflegekassen (§ 7 a SGB XI) wieder stärker in den Fokus, so dass jeder Pflegebedürftige Anspruch auf Beratung hat und sogar seinen persönlichen Pflegeberater bekommen soll.

Tagespflege-Leistungen

 

Leistungen für die Tagespflege werden sich weiterhin an denen für die ambulanten Sachleistungen angleichen. Demnach gelten in den Pflegegraden 2 bis 5 die gleichen Beträge laut Sachleistungen SGB XI (siehe Tabelle oben, grüne Zeile!).

 

Beispiel: Erhält ein Pflegebedürftiger Sachleistungen nach Pflegegrad 3 in Höhe von 1298,- EUR, so erhält er den gleichen Betrag nochmals für die Tagespflege.

Datenquellen: Alle Informationen, Auszüge + Zitate beruhen auf Angaben des Bundesgesundheitsministeriums mit Stand von 01/2016. UPDATE: 21.05.2017